Färben mit Naturfarbstoffen

Färben ist wie Magie.

Sobald der Stoff in ein Farbbad gelegt wird, beginnt die Farbe dem weissen Material ein Leben einzuhauchen.

 

Über das Färben

 

Beim Färben mit Naturfarbstoffen lagern sich Farbmoleküle mit Hilfe von einer Vorbeize an eine Faser an und gehen dort eine dauerhafte Bindung ein. Diese Vorgang erzeugt die sogenannten Echtheiten.

Drei Färbemethoden

Man unterscheidet zwischen drei Arten von Färbeverfahren. Jede ist vom Farbstoff an sich und den Begleitstoffen der Farbstoff-Pflanze abhängig.

1. Direktes Färbeverfahren

Die Faser kann ohne Vorbehandlung in die Farbflotte, bzw. das Färbebad, gegeben werden. Die Pflanzen bringen alle die benötigten Zusatzstoffe für die Färbung mit. Meistens handelt es sich dabei um einen hohen Tanninanteil. Tannin ist ein anderes Wort für Gerbsäure.

  1. Färbung mit vorgebeizter Ware

Für die meisten Naturfarbstoffe wird eine Vorbehandlung, das sogenannte Beizen, benötigt. Dabei werden hauptsächlich Metallsalze eingesetzt. Diese heften sich während des Beizvorgangs an die Faser an und gehen mit den Farbmolekülen eine stabile Bindung ein. Ohne diesen Vorgang würden die Farbstoffe durch Waschen und Sonne nach kurzer zeit an Kraft verlieren.

  1. Küpenfärbung

Indigo ist der berühmteste Farbstoff der Küpenfärbung und färbt vor allem auf Baumwolle sehr vorteilhafte, zum Beispiel auf der Jeans. Küpenfärbung wird sowohl bei pflanzlichem, als auch synthetischem Indigo angewendet.

Diese Färbung ist ein besonderes Verfahren, denn sie wandelt den wasserunlöslichen Indigo Farbstoff durch Reduktionin einen wasserlöslichen Zustand. Dadurch kann er in die Faser eindringen. Anschliessend wir der Farbstoff durch Oxidation in den wasserunlöslichen Zustand zurückgebracht, wodurch er in de.

Die Autorin

Susanne Stern

Susanne Stern ist Textildesignerin, Naturfarbstoffexpertin und hat die Vision so viele Menschen wie möglich zum Arbeiten mit Naturfarbstoffen zu inspirieren.

Färben und Fasern

Farbstoffe können auf unterschiedlichen Stoffqualitäten, womit unterschiedliche Faserarten gemeint sind, unterschiedliche Ergebniss erzielen. 

Auf Proteinfasern wie Seide und Wolle kann man leuchtende und intensive Farbtöne färben, die durch deren Eigenglanz eine schillernde Farbwirkung erzeugen.

Bei Zellulosefasern wie Baumwolle, Leinen und Hanf ist das Färben eines tiefen und echten Farbtones eine größere Herausforderung.

Der Grund für diese Unterschiede liegt in dem Aufbau der Faserstruktur. Tierische Fasern wie Wolle und Seide bestehen aus Proteinen, die Aminosäuren besitzen, an denen sich besonders gut Farbstoffkomplexe und Beizstoffe anlagern können. Pflanzliche Fasern wie Baumwolle und Leinen fehlen genau diese Bestandteile und sind deswegen weniger aufnahmebreit.

Färben und Temperaturen

Grundsätzlich gilt: je höher die Temperaturen desto besser. Je niedriger die Temperaturen, desto mehr Zeit muss der Verweildauer beim Färben eingeräumt werden.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass schnelleres Färben mit hohen Temperaturen weniger Rücksicht auf die Faserqualität nehmen kann und ein sanfterer Färbeprozess den Glanz und Griff der Fasern erhält, jedoch mehr Zeit in der Färbeflotte verbringen sollte.

Es vertragen nicht alle Faserqualitäten die gleichen Temperaturen.  Wolle, Seide und regenerierte Fasern wie Viskose und Lyocell können bei hohen Temperaturen an Glanz und damit an Qualität einbüßen.

Wie man färbt

 

Utensilienliste für das Färben

Auf dieser Liste finden sich alle Dinge, die zum Beizen benötigt werden.

  1. 2 Eimer
  2. Heizplatte
  3. Topf
  4. Stab zum Umrühren
  5. Gummihandschuhe
  6. Schürze
  7. Waage
  8. Thermometer
  9. Baumwolltuch zum Einbinden der Pflanzenteile
  10. Naturfarbstoffe
  11. Ware zum Färben (Stoff, Garn)
  12. Wäscheklammern

 

Mengen beim Färben

Weisst Du was großartig ist? Du brauchst keine großen Rezepturen um mit Naturfarbstoffen zu färben.

Ja, es gibt sie. Färberezepte mit sehr genauen Vorgaben.

Da die Farbstoffe von Wetter, Bodenbeschaffenheit, Jahrgang, Erntezeitpunkt, sowie der Wasserqualität Deiner Flotte abhängen, kann kaum zwei Mal der gleiche Farbton erreicht werden.  

Wusstest Du schon, dass es so gut wie keine Aufzeichnungen traditioneller Färber gibt? Der 

Dementsprechend möchte ich Dir statt konkreter Rezeptanleitungen lieber eine Richtschnur geben, mit der Du immer auf ein gutes Ergebnis kommst und experimentieren kannst.

Diese Richtschnur gilt sowohl für kultivierte Färberpflanzen, Wald- und Wiesenpflanzen, als auch für Gewürze, Früchte und Gemüse aus dem Supermarkt.

Die Faustregel lautet:

Trockenene Rohstoffe: 100 – 200%  vom Trockengewicht Deiner Ware (Stoff, Textil)

Frisch gesammelte oder gekaufte Rohstoffe: 200 – 400%vom Trockengewicht Deiner Ware (Stoff, Textil)  

 

Vorgehensweise Schritt für Schritt

Grundsätzlich gilt: je höher die Temperatur, umso dauerhafter das Färbeergebnis. Niedrige Temperaturen können durch die Verweildauer der Ware ausgeglichen werden.

1. Stoffe und Garne vorwaschen und/oder entbasten

2. Stoffe und Garne im getrockneten Zustand wiegen

3. Farbstoffmenge und Flottenverhältnis berechnen

4. Ware in einen Eimer mit Wasser legen und für mindestens 5 Minuten nässen. Damit erhöhst du die Chancen auf eine gleichmässige Färbung erheblich.

5. Topf mit Wasser füllen und die Pflanzenteile für eine Stunde aufkochen

6. Alles abgiessen und in einem Eimer oder einer Schüssel aufbewahren. Das ist der Grundstock für die Farbflotte

7. Pflanzenteile in ein gewebtes Baumwolltuch legen, zubinden und über dem abgegossenen Farbbad auswringen.

8. Einen Topf zum Färben wählen und den Farbsud hineingeben. Dann mit Wasser so auffüllen, dass das berechnete Flottenverhältnis stimmt. -> Wem das zu kompliziert ist: Farbsud auffüllen bis Stoffe und Garne einigermassen bedeckt sind.

9. Tuch mit den Pflanzenresten wie einen Teebeutel in die Farbflotte hängen. Man kann ihn mit einer Wäscheklammer befestigen

10. Nun wird das genässte Färbegut (Stoffe und Garne) langsam aber bestimmt in den Topf hineingetaucht. Wenn du ein Stoffstück färbst, kannst du einen Stock oder Kochlöffel nehmen und den Stoff damit nach und nach in die Färbeflotte ziehen. Garne kannst du winden und nachdem du ihn einmal eingetaucht hast dann mit einem Stab oder einem Metallring über der Färbeflotte befestigen. Der Strang sollte dann stets rotieren.

11. Nun erhöhst du die Temperatur bis zu der Temperatur (siehe Tabellen), welche deine Faser verträgt. Darauf hältst du sie ca. eine Stunde und bewegst sie sanft. Aufsteigende Stoffblasen werden wieder eingetaucht. Es bleiben immer welche übrig. Je öfter du es tust, desto gleichmässiger ist das Ergebnis.

A) Beim Färben innerhalb einer Stunde: nach 60 Minuten Färbeprozess zwei Eimer mit Wasser füllen. Einen Eimer mit heissem Wasser (40-50°C), einen Eimer mit lauwarmen Wasser (30-40°C). Das Färbegut der Flotte entnehmen, abtropfen lassen und in den Eimer mit heissem Wasser kurz ausspülen, dann in den Eimer mit warmen Wasser geben und hier spülen. Zum Schluss unter dem laufenden Wasserhahn solange spülen, bis keine bis wenig Farbe im Waschbecken zu sehen ist. Oder einfach im Kurzprogramm in der Waschmaschine waschen. Achtung: Temperaturverträglichkeit der Fasern beachten.

B) Beim Färben mit der Methode das Färbegut über Nacht in der Färbeflotte abkühlen lassen: Färbegut der Flotte entnehmen, abtropfen lassen und dann  unter dem laufenden Wasserhahn solange spülen, bis keine bis wenig Farbe im Waschbecken zu sehen ist. Oder einfach im Kurzprogramm in der Waschmaschine waschen. Achtung: Temperaturverträglichkeit der Fasern beachten

Die Autorin

Susanne Stern

Susanne Stern ist Textildesignerin, Naturfarbstoffexpertin und hat die Vision die wunderbaren Naturfarbstoffe en vogue zu machen.