Das Beizen

Der Prozess des Beizens ist für viele Naturfarbstoffe entscheidend.

Diese Vorbehandlung macht es möglich, dass die Farbstoffe an der Faser Halt finden. Dadurch gehen sie mit ihr eine langlebige Verbindung ein und die Färbung wird echt.

1. Über das Beizen

1.1. Warum man beizt

Durch das Beizen binden sich die Farbstoffe dauerhaft an die Faser. Das heisst, dass beim nächsten Waschgang die Farbe beständig bleibt.

Darüber hinaus kann man durch die Wahl der Beize gezielt Farbtöne entwickeln. Um eine langfristig stabile Farbe auf der Faser zu erhalten, benötigen die meisten Farbstoffe eine Beize. 

Die Beize entscheidet nicht nur über die Echtheit der Färbung, sondern bestimmt auch die Farbtonverschiebung. So erzeugt beispielsweise Aluminium sehr leuchtende und satte Farben.  Eisen(II)sulfat lässt die Farbe eher dunkel werden. Ein Gelb kann in Verbindung mit Eisen(II)sulfat zum Beispiel zu Oliv werden. Ein Rotton zu einem Braun und ein Magenta zu Lila bis Anthrazit.

In der folgendenden Bildergallerie  kannst Du Dir diese Farbtonverschiebungen anschauen.

Die Autorin

Susanne Stern

Susanne Stern ist Textildesignerin, Naturfarbstoffexpertin und hat die Vision die wunderbaren Naturfarbstoffe en vogue zu machen.

Welche Beizen

Bei der Verwendung von Metallsalzen sollte jeder selbst entscheiden, welche zum Einsatz kommen sollen.

Weinstein, Aluminium, Sojamilch und Eisen kann als relativ unbedenklich eingestuft werden. Aus humanökologischer Sicht wird Eisen mal mehr, mal weniger kritisch betrachtet.

Von Schwermetallen wie Blei, Chrom, Zinn und auch Kupfer rate ich ausdrücklich ab.

Für das Färben für Kinder und mit Kindern empfehle ich dir auf eine tolle Beizmethode mit Sojamilch zurückzugreifen. Diese kannst du wunderbar für das Färben mit Avocadokernen nutzen.

 

Beizen und Fasern

Beiz- und Farbstoffe können auf unterschiedlichen Stoffqualitäten unterschiedliche Ergebnisse erzielen. 

Mit Stoffqualitäten sind unterschiedliche Materialien und deren Verarbeitung gemeint. Auf Proteinfasern wie Seide und Wolle kann man leuchtende und intensive Farbtöne färben, die durch ihren Eigenglanz eine schillernde Farbwirkung erzeugen.

Bei Zellulosefasern wie Baumwolle, Leinen und Hanf  ist das Färben eines tiefen und echten Farbtones eine größere Herausforderung.

Der Grund für diese Unterschiede liegt in dem Aufbau ihrer Faserstruktur. Tierische Fasern wie Wolle und Seide bestehen aus Proteinen, Aminosäuren. An sie können sich Farbstoffkomplexe und Beizstoffe besonders gut anlagern. Pflanzlichen Fasern wie Baumwolle und Leinen fehlen genau diese Bestandteile und sind deswegen weniger aufnahmebreit.

 

Beizen und Temperaturen

Es vertragen nicht alle Faserqualitäten die gleichen Temperaturen. Wolle, Seide und regenerierte Fasern wie Viskose und Lyocell können bei hohen Temperaturen an Glanz und damit an Qualität einbüßen.

Seide  behält ihren Glanz bei einer Temperatur von bis zu  40° Grad.

Wolle wird ähnlich behandelt wie Seide. Du kannst sie bis 80° Grad erhitzen. Es ist bei so hohen Temperaturen möglich, dass sich die Wolle verfilzen kann und Wollstoffe  sich verdichten. Wenn du ganz sicher gehen willst, erhitze das Beizbad nur bis 50° Grad.

Ganz unkompliziert wird es bei Zellulosefasern wie Baumwolle, Leinen, Viskose, Ramie, Lyocell usw. Alle diese Fasern Du bis zum Siedepunkt erhitzen, und das stets langsam und kontinuierlich.  Im Anschluss wird sie 1 Stunde auf dieser Temperaturstufe belassen. Danach kannst du sie herausnehmen und gleich weiter färben oder auch über Nacht im Beizbad auskühlen lassen.

Allgemeine Sicherheitshinweise im Umgang mit Metallsalzen

Die von mir angegebenen Metallsalze sind zum Färben aus humanökologischer Sicht in Ordnung, da sie auf der Faser nur noch minimal konzentriert sind. Als Pulver und damit in purer Konzentration sieht es schon wieder anders aus. Deswegen habe ich für dich eine Liste mit Sicherheitshinweisen zusammengestellt.

– Alle Salze sind sauer, das heisst sie tragen säure-ähnliche Eigenschaften

–  Nur Töpfe verwenden, die nicht mehr zum Kochen mit Lebensmitteln verwendet werden

– Pulver nicht einatmen

– Handschuhe benutzen und / oder die Hände nach dem  Kontakt gründlich waschen

–   Utensilien reinigen

– Salze ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Es besteht eine große Ähnlichkeit zwischen Zucker und den Beizmitteln 

2. Wie man beizt

 

Utensilienliste für das Beizen

Auf dieser Liste finden sich alle Dinge, die zum Beizen benötigt werden.

  1. Eimer
  2. Heizplatte
  3. Topf
  4. Stab zum Umrühren
  5. Gummihandschuhe
  6. Waage
  7. Thermometer
  8. kleiner Becher zum Auflösen der Beize
  9. Beizmittel
  10. Beizgut (Stoff, Garn)

 

Mengentabellen für das Beizen

Vor dem Beizen muss das Warengewicht im trockenen Zustand mit einer Waage ermittelt werden. Danach wird die Menge der Beizmittel berechnet. Eine Ausnahme ist Sojamilch. Beim Beizen mit Sojamilch muss die Ware nur ausreichend mit Sojamilch bedeckt sein.

Tabelle Beizen,Temperaturen und Fasern

 

Vorgehensweise Schritt für Schritt

Grundsätzlich gilt: je höher die Temperatur, umso dauerhafter das Färbeergebnis. Niedrige Temperaturen können durch die Verweildauer der Ware ausgeglichen werden.

 

Beizen mit Metallsalzen und Weinstein

1. Beizgut in einen Eimer mit Wasser legen um es für mindestens 5 Minuten zu nässen.  Damit erhöhst du die Chancen auf eine gleichmässige Färbung erheblich.

2. Berechne die Menge deines Beizmittels, wiege es ab und löse es in einem Becher mit Wasser auf.

3. Fülle den Topf mit Wasser, gebe das gelöste Beizmittel dazu und erhitze das Beizbad auf 35– 40° Grad.

4. Nun wird das genässte Beizgut langsam aber bestimmt in den Topf hineingetaucht. Wenn du ein Stoffstück beizt, kannst du einen Stock oder Kochlöffel nehmen. Den Stoff nach und nach in das Beizbad ziehen. Garne kannst du winden. Nachdem du ihn einmal eingetaucht hast dann mit einem Stab über dem Beizbad befestigen. Der Strang sollte dann stets rotieren. Noch besser eignet sich ein Ring  aus Metall.

5. Nun erhöhst du die Temperatur bis zu der Temperatur (Tabellenübersicht zu Beiztemperaturen), welche deine Faser verträgt. Darauf hältst du sie ca. eine Stunde und bewegst sie sanft. Aufsteigende Stoffblasen werden wieder eingetaucht. Es bleiben immer welche übrig. Je öfter du es tust, desto gleichmässiger ist das Ergebnis. Schon beim Beizen entscheidet sich, an welchen Stellen die Farbe aufziehen wird.

6. Nach dem Beizvorgang kannst du sofort färben. Dazu spülst du kurz die Ware aus und  gibst danach dein  Färbegut in die Flotte.

7. Gebeizte Ware lagern: entweder für weniger als eine Woche feucht eingewickelt. Dieser Vorgang erhöht die Wirkung. Die Ware kann feucht oder im getrocknet im Schrank. Vorsicht bei Eisen, das kann auf Dauer Seide und Wolle angreifen. Eisen(II)sulfat-gebeizte Ware lieber bald weiterfärben.

Beizen mit Sojamilch

1. Beizgut in eine Schüssel oder einen Topf legen.

2. Sojamilch solange hinzugeben, bis die Ware vollständig bedeckt ist.

3. Ware in der Sojamilch  für 1 -24 Stunden verweilen lassen.

4. Abgiessen und Ware spülen.

5. Färben.

Die Autorin

Susanne Stern

Susanne Stern ist Textildesignerin, Naturfarbstoffexpertin. Sie hat die Vision so viele Menschen wie möglich dazu zu inspirieren mit den wunderbaren Naturfarbstoffen zu arbeiten